Was sind „Group Decision Support Systems“?

  • Tobias 

Gerade im Home Office werden Support Systeme für Teamwork immer wichtiger… Oft hört man von GDSS, aber was genau sind Gruppen-Entscheidungsunterstützungssysteme / Group Decision Support Systems (GDSS)? Und wofür kann man diese Systeme verwenden? Versuchen wir uns diesen Fragen einmal systematisch zu nähern. Angesichts der Schwierigkeiten, die sowohl mit strukturierten als auch unstrukturierten Entscheidungsfindungsverfahren einhergehen, scheint es naheliegend zu versuchen, technische Unterstützungssysteme zu implementieren, um die Entscheidungsfindung zu erleichtern.

Tatsächlich sind Entscheidungsunterstützungssysteme, in der Regel interaktive Computersysteme, bereits seit Ende der 1950er Jahre ein Thema im akademischen Bereich (Keen & Morton, 1978). Die Definition von Decision Support Systems (DSS) und Group Decision Support Systems (GDSS) hat sich im Laufe der Zeit weiterentwickelt. In den 1970er Jahren wurde ein DSS als ein computergestütztes System zur Unterstützung der Entscheidungsfindung betrachtet (Sol, Takkenberg, & De Vries Robbe, 1987). Später in den 1970er Jahren wurden die Systeme interaktiver. In den 1980er Jahren umfassten die Systeme Datenbanken und Modelle zur Verbesserung und Strukturierung der Entscheidungsfindung (Sol et al., 1987). In den 1990er Jahren begann das Internet die DSS zu beeinflussen, und Ende der 1990er Jahre wurden webbasierte analytische Anwendungen populär. Ab etwa 2000 begannen Internetfirmen, Hosting- und Infrastrukturdienste für die Entscheidungsfindung anzubieten (Power, 2002). Es wurden auch anspruchsvollere Entscheidungsportale eingeführt, die Informationsportale, Wissensmanagement, Business Intelligence und kommunikationsgesteuertes DSS in einer integrierten Web-Umgebung kombinieren. DSS erfreuen sich nach wie vor zunehmender Beliebtheit in verschiedenen Bereichen, darunter Wirtschaft, Technik, Militär und Medizin (Flynn & Druzdzel, 2003). Nach der richtungsweisenden Forschung von Steven Alter (1980) gibt es drei Hauptmerkmale von DSS:

  1. DSS sollen insbesondere Entscheidungsprozesse erleichtern.
  2. DSS sollen die Entscheidungsfindung unterstützen, aber nicht automatisieren.
  3. DSS müssen sich sehr schnell an veränderte Umgebungsvariablen oder Anforderungen von Entscheidern.

Im Allgemeinen sind moderne DSS entwickelt worden, um Wissen zu sammeln sowie Entscheidungsalternativen zu generieren und zu bewerten. Dennoch gibt es DSS mit unterschiedlichen Schwerpunkten und dementsprechend sind sie unter verschiedenen Typen bekannt, wie z.B. Gruppenentscheidungsunterstützungssysteme (GDSS), computergestützte Kooperationsarbeit (CSCW), Gruppenunterstützungssysteme (GSS), Kollaborationsunterstützungssysteme (CSS) oder elektronische Besprechungssysteme (EMS) (Eom, 2001). GDSS haben sich auf die Entscheidungsfindung/ Problemlösung konzentriert, während CSCW in erster Linie ein Mittel zur effizienteren Kommunikation darstellt. Diese beiden Arten von Systemen, Systeme mit Schwerpunkt auf Entscheidungsfindung und Systeme mit Schwerpunkt auf Kommunikation, werden jedoch immer ununterscheidbarer (Eom, 2001).

Der Bereich DSS ist in der wissenschaftlichen Forschung bereits gut abgedeckt, aber etwa zwei Drittel der DSS-Forschung ist empirisch, ein viel höherer Anteil als die allgemeine IS-Forschung. Die empirische DSS-Forschung ist überwältigend positivistisch und wird stärker vom Positivismus dominiert als die IS-Forschung im Allgemeinen (Arnott & Pervan, 2005,).

Entwicklung von Group Decision Support Systems (GDSS)

Ein Gruppenentscheidungsunterstützungssystem (GDSS) kann als ein interaktives, computergestütztes System definiert werden, welchen das Ziel verfolgt eine Gruppe von Entscheidungsträgern dabei unterstützen, Probleme zu lösen und Entscheidungen zu treffen. Die GDSS soll im Allgemeinen Gruppen bei der Analyse von Problemsituationen und bei der Durchführung von Gruppenentscheidungsaufgaben unterstützen (DeSanctis & Gallupe, 1987; Gear, Marsh, & Sergent, 1985; Huber, 1984; Sauter, 2001). Ein GDSS ist ein hybrides System, das eine ausgeklügelte Kommunikationsinfrastruktur sowie heuristische und quantitative Modelle zur Unterstützung der Entscheidungsfindung verwendet (Sauter,2001). Wichtig ist auch, dass das Hauptziel von GDSS die Verbesserung der Gruppenleistung ist, sei es in Bezug auf die Sitzungsproduktivität, den Grad der erreichten Zufriedenheit und viele andere Faktoren (Davison, 2001).

Gleiche Zeit / Gleicher Ort
(Meist verwendete GDSS- Computer mit Projektoren und Abstimmungswerkzeugen)
Andere Zeit / Gleicher Ort
(Audio-/Videoaufzeichnung, gemeinsame Nutzung von Dokumenten)
Gleiche Zeit / Anderer Ort
(Chat, Teamraum, Audio-/Videokonferenzen, Bildschirmfreigabe)
Andere Zeit / Anderer Ort
(Internet-Gemeinschaften, Bulletin Boards)
Die Tabelle zeigt einen typologischen Überblick über die GDSS nach Zeit/Ort (adaptiert von: DeSanctis & Gallupe, 1984)

Praktische Beispiele für frühe GDSS sind das Claremont System, Colab System, GroupSystems, SAMM, Team Focus (Chung & Geoffrey, n.d.) und Teamworker (Gear & Read, 1993; Read & Gear, 1994). In der Praxis hat sich gezeigt, dass in einigen Fällen der Einsatz von GDSS zweifellos nützlich war, um einer komplexen Aufgabe, die von einer großen Gruppe von Experten durchgeführt wurde, ein gewisses Maß an Struktur zu verleihen. Sie ermöglichte auch die rasche Identifizierung von Bereichen, in denen starke Meinungsverschiedenheiten bestanden, und machte es leicht, eine entsprechende Debatte anzustoßen (Read & Gear, 1994). Die Nutzung des Internets für GDSS in Kombination mit Gemeinschaftselementen scheint nur ein logischer nächster Schritt in der Entwicklung zu sein. Natürlich kann man auch Tools wie Google-Docs, Microsoft 365 oder Zoom etc. als GDSS verwenden. Allerdings kann es sinnvoll sein sich auch mit Spezialsoftware für diesen Einsatzzweck zu beschäftigen. Häufig kann man damit die Prozesse besser abbilden und es sind schon bestimmte (hilfreiche) Abläufe vordefiniert.

Hier eine (unvollständige) Übersicht von aktuellen GDSS:

NameSprache(n)Hinweis
AgreeDoDeutsch, Englisch (und andere)Meeting Orga Software. Die Basic Edition ist kostenlos.
BeenoteEnglischZur Organisation Durchführung von Meetings mit Nachverfolgung von Beschlüssen und Aufgaben.
Decision LensEnglischDie Software soll helfen Planung kollaborativ und transparent im Bezug auf die Bedürfnisse der gesamten Organisation zu erstellen.
FacilitateProEnglischCloud-basierte Anwendung, die Gruppen beim Brainstorming und bei der Bewertung von Ideen hilft.
iClickerEnglischClassroom Interaction System sowohl für Präsenzveranstaltungen als auch für Distance-Learning.
GroupMapEnglischSoftware zum einfachen Planen, Brainstorming, Diskutieren und strukturierten Entscheiden.
LUCIDEnglischMeeting Management Software
MeetingBoosterDeutsch, Englisch (und andere)Cloud-basiertes Meeting Management System.
MeetingKingEnglischEinfache Cloud-Lösung um Meeting zu planen und nachzuverfolgen.
MeetingSenseEnglisch Erstellen von Tagesordnungen und Zielen, Notizen während des Meetings, Aufgaben tracking und versenden von Folgeinformationen.
MeetingSiftEnglischCloud-Kollaborationsplattform, die dabei unterstützt, Gruppenprozesse bei Besprechungen aller Größenordnungen vor Ort oder remote durchzuführen.
MeetingSpereDeutsch, Englisch (und andere)Umfassendes Tool für Online-Konferenzen und Entscheidungsprozesse.
MentimeterDeutsch, Englisch (und andere)Tool für interaktive Präsentationen, um Echtzeit-Eingaben von Remote-Teams und Online-Schülern zu ermöglichen und darzustellen.
PowerNoodleEnglischCloud-Plattform um verteilte und unterschiedliche Gruppen in Entscheidungen einzubeziehen.
SplinterDeutsch, Englisch (und andere)GDSS-Unternehmenslösung um Gruppenentscheidungsprozesse abzubilden und digital zu unterstützen.
StormzEnglischEntwerfen und durchfürhen von Workshops: Retrospektive, Brainstorming, Design Thinking und viele andere. Vor Ort oder remote. 
ThinkTankEnglischCloud-basierte Plattform zur Einbindung von Interessengruppen und Teams, um die strukturierte Entscheidungsfindung voranzutreiben.

Keines dieser Tools ist jedoch ein Allheilmittel für erfolgreiche Gruppenentscheidungen. Man muss das ‚Handwerk‘ beherrschen, also die Prozesse und Mechanik gut gestalten, aber auch die sozialen Aspekte, wie Beziehungspflege und gute Formulierungen von Fragestellungen, beachten, um bestmögliche Ergebnisse zu erzielen. Einige dieser GDSS bringen jedoch schon ein Set an wohlüberlegten Abläufen mit. Auf diese kann man seine eigenen Prozesse aufbauen. Die Unterschiede sind jedoch sehr groß und man sollte sich etwas Zeit nehmen, um das passende Tool zu finden und vielleicht auch einige davon ausprobieren. Dabei kann man auch seine eigenen Prozesse hinterfragen und ggf. optimieren.

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